Leugnen, Abwiegeln, Rechtfertigen – 5 Punkte der Verharmlosung

(1) Verharmlosung: Viele Menschen finden Datenschutz und Privatsphäre nicht  mehr so wichtig. Schließlich teilen sie auch Privates auf Facebook – selber schuld.

Inkorrekt: 87 Prozent der Jugendlichen verstehen sehr wohl wie wichtig es ist Dateneinstellungen vorzunehmen. Kommuniziert wird mit Menschen, die fast immer aus dem realweltlichen Umfeld kommen. Die Menschen sind nicht so naiv wie oftmals dargestellt. Wer Privates in sozialen Medien teilt, verspielt oder vermindert dadurch keineswegs seine Grundrechte. Noch bedeutet es, dass man dadurch seine persönlichen Daten erfassen darf. 

(2)Verharmlosung: Wer nichts zu verbergen hat, muss nichts fürchten. Der staatliche Überwachungsapparat interessiert sich nicht für Durchschnittsbürger.

Jeder Bürger hat ein allgemeines Gut zu verbergen: sein Privatleben. Doch was einen Durchschnittsbürger qualifiziert, was bedeutungslose Informationen sind und welche gesellschaftliche Werte gelten, dass kann man vielleicht zum jetzigen Zeitpunkt sagen, doch niemand kann eine wirklich verlässliche Zukunftsprognose abgeben.  Ebenso wenig kann man sagen, für wen oder was sich Geheimdienste wirklich interessieren.

(3)Verharmlosung: Wir sprechen nur, wer mit wem von wo aus kommuniziert hat, um Straftaten wie Terrorismus und Kinderpornografie zu bekämpfen.

Laut einer 2013 erschienen Studie des Max-Planck-Instituts können keine Parallelen zwischen Vorratsdatenspeicherung und der Verhinderung von Terroranschlägen sowie der Verbreitung von Kinderpornografie bzw. der Prävention gegen diese, aufgezeigt werden. Die beiden Gründe werden zumeist herangezogen da die Bevölkerung empfindlich und emotional darauf reagiert.

(4) Verharmlosung: Gegen Überwachung und Datensammeln von Geheimdiensten sind wir letztlich machtlos.

Jeder Mensch ist souverän und hat das Recht zu Wählen sofern er das nötige Alter erreicht hat. Politikverdrossenheit und Misstrauen gegen die Demokratie sollten in diesem Zusammenhang keinen Platz in unseren Köpfen finden. Für Menschen mit stark ausgeprägtem Vertrauensverlust bleibt immer noch die Möglichkeit der Datenverschlüsselung.

(5)Verharmlosung: Das haben wir doch alles längst gewusst.

Stammtischgerüchte von Menschen die es ja immer schon gewusst haben wird es immer geben, sind aber in der Regel inhaltsleer. Hätten es so viele Personen gewusst, hätte Edward Snowden sein Leben nicht aufgeben müssen. Nichts war ohnehin klar!

Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/fuenf-schlechte-argumente-fuer-mehr-ueberwachung-a-911202.html


Neuer Anti-Terror-Plan sammelt fleißig Flugdaten

Bezogen auf den neuen Anti-Terror Plan der Europäischen Union sollen die Daten (vor allem Bankdaten) aller Passagiere, die nach Europa ein- bzw. ausreisen, in einer polizeilichen Datenbank gespeichert werden.

Doch war bedeutet das faktisch: Alle beim Check-In gesammelten Daten werden dem jeweiligen Sicherheitspersonal vor Ort zur Verfügung gestellt. Somit wäre jede Fluglinie die in Europa operiert vom neuen Anti-Terror-Plan betroffen. Folglich müssten die Unternehmen Daten sammeln, und diese wiederum mit allen 28 Mitgliedsstaaten teilen.

Gegner dieser Maßnahmen sprechen von einer Verletzung der Privatsphäre unzähliger Fluggäste. Die Befürworter wiederum, zu denen auch die meisten der EU Innenminister zählen, beschwören mit diesem „Move“ die dringliche Notwendigkeit, potentielle Jihadisten zu erkennen und deren Reiserouten durch Europa transparent zu machen.

Würde sich der neue Plan tatsächlich durchsetzen, so wäre es mit Sicherheit ein Sieg für den britischen Premier David Cameron. Dieser zeigt sich bei einem kürzlich stattgefundenen Treffen in Brüssel sichtlich enttäucht: „It is wrong that we can get more information from countries outside the EU than from each other.“ [...] „Quite frankly, the European Parliament is letting us down in terms of keeping our people safe.“

Schon jetzt arbeiten die britischen Sicherheitsbehörden äußerst eng mit verschiedensten Fluglinien zusammen um mögliche Gefahrenquellen gezielt bekämpfen zu können. Für David Cameron wäre der neue Anti-Terror-Plan ein politischer Erfolg.

Quelle: http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/law-and-order/11373504/Air-passengers-bank-details-to-be-handed-to-police-under-EU-anti-terror-plan.html


„Pass auf deinen Kopf auf!“ – Was passieren kann wenn Firmenrichtlinien genutzt werden um an personenbezogene Daten zu gelangen?

blog1

Kurz zur Vorgeschichte – Der islamkritische Sender Al Hayat versteht sich als Medium in dem der Grundsatz der freien Meinungsäußerung gilt. Die Mitarbeiter von Al Hayat sind zum größten Teil zum Christentum konvertierte Araber. Seit geraumer Zeit betreibt der Sender einen  kleinen Internetableger in Deutschland der auf Youtube aufrufbar ist. Die bekannte Frauenrechtlerin Sabatina James und der ehemalige Islamist Barino Barsoum sind zwei Personen die sich ehrenamtlich für den Internetsender engagieren. Mit Hilfe von Videobotschaften wird erstens versucht undemokratische Lehren und Auslegungen des Islam aufzuzeigen und zweitens für Aufklärung zu sorgen. Mittlerweile tauchte ein Mitarbeiter nach mehreren Morddrohungen unter. Wie konnte es dazu kommen?

Ende September meldete sich bei Youtube´s Copyrightabteilung ein Benutzer mit dem Namen „FirstCrist, Copyright“ und machte eine Beschwerde wegen Urheberrechtsverletzung gegen den deutschen Ableger von Al Hayat geltend. Das Internetunternehmen (eine 100% Tochter von Google) wendete sich daraufhin an den Sender und verkündete bei zwei weiteren Verstößen die sofortige Sperre der Seite,  es sei denn, die Betreiber reichen eine sogenannte „Gegendarstellung“ ein. Dabei handelt sich um ein allgemeines Verfahren das nicht bedenklich erscheint. Man muss jedoch wissen, dass bei einer Gegendarstellung die persönlichen Daten an den ursprünglichen Beschwerdeführer weitergeleitet werden.

Bei Google´s Nutzerbedingungen liest sich dies wie folgt: „Nach Erhalt deiner Gegendarstellung leiten wir sie an den Nutzer weiter, der den ursprünglichen Urheberrechtsanspruch eingereicht hat. Beachte bitte, dass bei der Weiterleitung der Meldung auch deine personenbezogenen Daten gesendet werden. Durch das Einreichen einer Gegendarstellung stimmst du zu, dass deine Daten auf diese Art offengelegt werden. Wir leiten die Gegendarstellung ausschließlich an den ursprünglichen Beschwerdeführer weiter.“

Zwei weitere Beschwerden folgten und so wurde die Seite tatsächlich von den Youtube-Verantwortlichen gesperrt. Obwohl die Betreiber von Al Hayat mehrmals Bedenken gegen „FirstCrist Copyright“ äußerten. Um die Seite weiterhin betreiben zu können musste die oben beschriebene Gegendarstellung vollzogen werden.

Alternativlos und nach reichlicher Überlegung erklärte sich ein Mitarbeiter bereit seine Daten zur Verfügung zu stellen. Folgenschwer wie sich herausstellen sollte.

Kurz darauf erhielt Al Hayat eine Email mit folgendem Inhalt: „Danke für deine persönlichen Daten. Diese werden wir mit einem Bild deines Senders „Alhayattvnet“ auf den Websites von Al Qaida und anderen europäischen Dschihadisten posten: In deinem Sender eschimpfst du den Propheten des Islam und sagst, er sei ein Verrückter und ein Verbrecher. Pass auf deinen Kopf auf und sorge jetzt schon dafür, dass dein Haus unter Polizeischutz gestellt wird!“

Google ist rechtlich gesehen kein Fehler unterlaufen. Es zeigt jedoch, wie einfach es ist an sensible Daten zu gelangen und wie geschickt man mit Richtlinien umgehen kann.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/youtubes-daten-gefaehrden-islamkritiker-13247806-p3.html?printPagedArticle=true


Neue Alte Bedenken – Auf dem Weg zum gläsernen Österreicher

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde von Finanzminister Hans Jörg Schelling eine Änderung des Finanzstrafgesetzes in das „2. Abgabeänderungsgesetz 2014“ verpackt.

Demzufolge sollen Finanzbehörden Einsicht in heikle Daten wie IP-Adressen, Namen und Anschrift sowie Auskünfte von Post- und Paketdiensten von Telekomfirmen erhalten können. Additional sollen der Finanz Einblicke in das Polizeiinformationssystem EKIS und die Möglichkeit der Finanzbehörden Fingerabdrücke zu nehmen, zugebilligt werden.

Aus der heimischen Politik kam bis dato wenig Echo, jedoch kritisierte der Verfassungsdienst im Kanzleramt den Vorstoß der Finanzbehörde und warnte vor Problemen mit dem Verfassungsgerichtshof. Bereits 2013 wurde eine ähnliche Bestimmung gekippt. (Bezüglich der Verwendung personenbezogener Daten in jedem gerichtlichen Verfahren)

Damals gab der Verfassungsgerichtshof dem Nationalrat bis 31. Oktober 2014 Zeit, dass Gesetz verfassungskonform zu gestalten. Fakt ist, dass ein neuer Anlauf unternommen wurde, an personenbezogene Daten zu gelangen. Allerdings auf einem neuen Weg mit dem gleichen Endergebnis.

Abermalig Kritik hagelte es auch von der Datenschutzgruppe AK Vorrat. Vor allem wegen der Möglichkeit des uneingeschränkten Zugriffs auf Polizeidaten. Dies sei von einer starken Unverhältnismäßigkeit geprägt  und als verfassungswidriger Eingriff in das „Grundrecht Datenschutz“ einzustufen.

Auch die Rechtsanwaltskammer lehnte den Vorstoß Schelling´s ab. Den Finanzbehörden würden in diesem Fall zu weitrechende Ermittlungsbefugnisse eingeräumt werden.

Quelle: http://orf.at/stories/2251431/2251433/


Jeder wird gescannt – Gesichtserkennung via Google Glass

Das FBI steht in den Startlöchern und füttert fleißig seine Datenbanken. Auch Ärzte testen das neue „gadget“ von Google auf seine möglichen Anwendungsbereiche. Nun möchte auch das Emirate Dubai folgen und Google Glass verwenden. Zu diesem Zweck sollen Polizeieinheiten damit ausgestattet werden.

Hintergrund der Aktion ist die Nutzung von „recogniction software“  für die schnelle Erkennung von gesuchten Kriminellen. Hierbei soll ein Programm zur Verwendung kommen welches die Abgleichung mit einer eigenen Datenbank ermöglichen soll. Ziel ist eine sekundenschnelle Analyse von Verdachtsfällen und Gefahrenpotenzialen.

Die Initiative befindet sich momentan in der Pilotphase und soll anfangs auf Verkehrsverstöße getestet werden. Sollte sich das Programm bewähren wird es laut Experten zu einer raschen Anwendung im Gesichtserkennungsbereich kommen.

Quelle: http://www.slate.com/blogs/future_tense/2014/10/03/dubai_police_will_use_facial_recognition_and_google_glass_to_look_for_wanted.html


„Treasure Map“ – Missinterpretation einer Schatzkarte

    

Offenbar verfügen der amerikanische Geheimdienst NSA und der britische GCHQ über verdeckte Zugriffsmöglichkeiten auf die Netze der deutschen Telekom, Netcologne, Stellar, Cetel und IABG. Dies geht aus streng geheimen Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden hervor, die der SPIEGEL einsehen konnte. Vermutlich sind weitere Unternehmen von der Netzwerkspionage betroffen

Bei „Treasure Map“ handelt es sich um ein weiteres System, mit dessen Hilfe, die detaillierte und zielgerichtete Überwachung vorangetrieben werden soll.

Das Programm verfolgt das Ziel, das gesamte Internet zu kartografieren und greift dazu auf die kritische Internetstruktur von Unternehmen zu. In nahezu Echtzeit soll jedes mit dem Internet verbundene Gerät sichtbar gemacht werden.

Auch die Datenleitungen der Telekom Austria sowie des zentralen Informationsdienstes (ZID) der Universität Wien scheinen betroffen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Datenleitungen genutzt werden um das Netz in seiner Tiefe zu erkunden. Konkrete Hinweise auf eine mögliche Unterwanderung sind zum momentanen Zeitpunkt nicht bekannt.

Quellen:

http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/nsa-und-gchq-zugang-zu-netzen-der-deutschen-telekom-und-netcologne-a-991418.html

http://derstandard.at/2000005668917/Hinweise-auf-NSA-Aktivitaeten-in-oesterreichischen-Netzen

http://www.sueddeutsche.de/digital/digitale-ueberwachung-die-schatzkarte-der-nsa-1.2128424


Kann man Gesundheitsdaten verarbeiten ohne die Privatsphäre zu opfern?

In einem Interview mit der New York Times vom 25. Juni 2014 äußerst sich Google´s Larry Page über die Möglichkeiten des „Health-Data-mining“

„For me, I´m so excited about the possibilities to improve things for people, my worry would be the opposite. We get so worried about these things that we don´t get the benefits.“

 „Right now we don´t data-mine health care data. If we did we´d probably save 100,000 lives next year.“

England verfolgt mit der NHS Initiative ähnliche Ziele. Forschern soll der Zugang zu Millionen Gesundheitsakten ermöglicht werden. Grundlegend geht es um das genauere Erkennen von Trends sowie die Möglichkeit Risikofaktoren schnellstmöglich zu erfassen und damit Menschenleben zu retten.

Der Start von Care.data wurde jedoch verschoben. Als Hauptfaktor wurden Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre genannt. Das hat auch seinen guten Grund. Gesundheitsdaten sind äußerst sensibel und in der Regel nicht zu anonymisieren. Das bedeutet, dass auch mit wenigen Informationen, beispielsweise gekoppelt an Daten der jeweiligen Hausärzte, Gesundheitsdaten einiges über die jeweilige Person zu erkennen geben können. Dazu werden keine sogenannten „key personal details“ benötigt. Bildlich gesprochen legt man eine Schlaufe aus, die sich dann langsam zuzieht und zu einem gewünschten Ergebnis führt.

Die gewonnen Gesundheitsdaten könnten aber auch zur Diskriminierung von Personen verwandt werden. So können beispielsweise Versicherungsunternehmen, die Zugang zu diesen Datensätzen haben, diese benutzen, um den jeweiligen Personen höhere Beiträge zuzurechnen. Selbiges Denkmuster könnte auch in der Kreditvergabe im Bankensystem Einzug finden. Banken und Versicherungen ziehen schon heute unzählige Analysefaktoren in deren Berechnungen ein.

Daher sollten wir uns gut überlegen, welche Daten abgebaut werden sollen, wer Zugriff auf diese Daten hat und welche Schutzmaßnehmen getroffen werden müssen. Diese Punkte sollten betrachtet und analysiert werden. Die Menschen müssen über die Vor- und Nachteile informiert werden.

Google verfolgt mit den Projekten Google Calico und Google Fit ähnliche Ziele wie Care.data. Im Zentrum stehen Gesundheit und Wohlgefühl, die Herausforderungen des Alterns sowie dazugehörige Krankheiten. Google hat also gute Gründe „Health data-mining“ zu beschleunigen. Zum momentanen Zeitpunkt sind die bekannten Informationen hingegen spärlich.

Schlussendlich rettet der Zugriff auf Gesundheitsdaten noch keine Menschenleben. Das Potential liegt darin, wie wir die Daten verstehen und was wir damit bezwecken wollen.

Quelle: http://motherboard.vice.com/en_ca/read/can-we-mine-life-saving-health-data-without-sacrificing-privacy